Lidl unter Beschuss

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Der Einsatz von Antibiotika zur Bekämpfung von Krankheiten bei Schwein, Geflügel und Rindern ist in der industriellen Landwirtschaft nicht die Ausnahme, sondern an der Tagesordnung. Ist ein Tier erkrankt, wird die Antibiotika-Dosis der gesamten Tier-Gruppe verabreicht. Die häufige Behandlung bleibt nicht ohne Folgen: Krankheitserreger entwickeln Resistenzen, d.h. sie werden unempfindlich gegen gängige Antibiotika. Ein Problem, das nicht nur die Veterinärmedizin vor immer größere Probleme stellt.

Die Arzneimittel aus der Tierhaltung werden nämlich ebenso in Krankenhäusern bzw. am Menschen eingesetzt. Das macht resistente Erreger zu einem immer größeren Problem, insbesondere weil viele von ihnen gleich gegen mehrere Antibiotika unempfindlich werden. Die Behandlung dieser multiresistenten Keime ist immer schwerer möglich, in letzter Konsequenz muss dann auf sogenannte „Reserve-Antibiotika“ zurückgegriffen werden. Sollten die Erreger auch dagegen Resistenzen entwickeln, könnte die Medizin in einigen Fällen endgültig scheitern. Die Weltgesundheitsorganisation warnt bereits vor einem „postantibiotischen Zeitalter“ für den Fall, dass nicht schnell und entschiedengenug gegen die Ausbreitung von Resistenzen vorgegangen werde. In der EU sterben schon heute etwa 25.000 Menschen jährlich an den Folgen einer von resistenten Bakterien ausgelösten Infektion. Besonders gefährdet sind Patienten mit einem geschwächten Immunsystem.

Antibiotikaeinsatz in Deutschland
In der Humanmedizin werden jährlich etwa 700 bis 800 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Mengenmäßig spielt der Einsatz bei Schweinen die größte Rolle. 2011 wurden hier 79,5 Prozent der Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt. Im europäischen Vergleich steht Deutschland keineswegs gut da: 2014 wurden je Kilogramm erzeugtes Fleisch etwa 150 mg Antibiotika eingesetzt, mit diesem Wert befindet sich Deutschland im oberen Mittelfeld. An der Spitze der Statistik standen Spanien (419 mg) und Italien (391 mg), viele Länder kommen aber auch mit deutlich weniger Antibiotika aus, z.B. Schweden (11,5 mg) und Dänemark (44,2 mg).

Der Einsatz von Antibiotika zu Zwecken der Leistungssteigerung bei Tieren ist in der EU seit 2006 verboten, ebenso die vorbeugende Gabe (Prophylaxe). Dennoch werden in der Praxis viele nicht erkrankte Tiere behandelt, weil eine Einzeltierbehandlung im Schweinestall schwierig, im Geflügelstall praktisch unmöglich ist. Daher werden ganzen Beständen über das Trinkwasser Antibiotika verabreicht, auch wenn nur eines von 20 Tieren erkrankt ist.

Daher fordert Greenpeace eine Reduktion des Antibiotika-Einsatzes in der Nutztierhaltung durch:

  • bessere Haltungsbedingungen
  • Reduktionsziele und –programme
  • Abschaffung der Metaphylaxe (Gruppenbehandlung mit Antibiotika)
  • Verbot des Einsatzes von sogenannten Reserve-Antibiotika in der Tierhaltung
  • Verbot von Mengenrabatten für Tier-Arzneimittel und Einführung von Mindestpreisen

Kämpfen wir gemeinsam für eine bessere Tierhaltung in der Fleischproduktion!

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