Vegan aus medizinischer Sicht

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Wer sich mit seiner Ernährung beschäftigt und vielleicht überlegt sich vegan zu ernähren hat sich schon mal gefragt, ob eine vegane Ernährung überhaupt gesund ist. Im folgenden Artikel erläutert ein Arzt seine Sicht auf das Thema.

 

Macht vegane Ernährung krank? Eine medizinische Einschätzung

Wenn sich Menschen rein pflanzlich ernähren, birgt das gesundheitliche Risiken. Wer sich vegan ernährt, verzichtet auf alle tierischen Produkte. Rigoros. Circa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2016 vegan.1 Tendenz steigend. Ist das nun verantwortungsvoll oder verantwortungslos? Wer sich vegan ernährt, schützt Tier und Umwelt oder schadet sich lebensgefährlich selbst und womöglich auch seine Kinder?

Die Antwort ist nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eindeutig: „Bei Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird eine vegane Ernährung von der DGE nicht empfohlen".2 Bei einer rein pflanzlichen Ernährung sei eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich. Zahlreiche Studien der vergangenen Jahrzehnte waren darauf hin eindeutig, dass eine vegane Ernährung schädlich sein kann. Aktuelle Untersuchungen zeigen aber auch: Es ist unter strengen Auflagen möglich, die gesundheitlichen Risiken zu minimieren.

Vegane Ernährung kann zu Mangelerscheinungen führen, wenn Eisen, Vitamin B12 und Zink fehlt. Vor allem bei Kindern kann dies zu Unterernährung und Wachstumsverzögerung führen. Der Nährstoffmangel kann zudem anfälliger für Infektionen machen. In allen Studien ist jedoch von Wachstumsverzögerung und Nährstoffmangel die Rede. „Zehn Prozent der vegan und sechs Prozent der vegetarisch ernährten Kinder, sind zu klein für ihr Alter.“ Die kleinere Körpergröße könnte aber auch andere Ursachen haben, wie Größe der Eltern, Stillzeit des Kindes, ob es zugefüttert wurde oder andere Faktoren. Mit den derzeitigen Studiendaten lasse sich das nicht ausschließen. Durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist aktuell eine Folgestudie in Auftrag gegeben, wo 2020 die ersten Ergebnisse vorliegen sollen.3

Was all diese Studien allerdings ebenfalls auch zeigen: Eine vegane Ernährung ist durchaus möglich und auch sein Kind vegan zu ernähren. Schließlich haben sich neun von zehn der untersuchten vegan ernährten Kinder normal entwickelt; zumindest was das Gewicht und die Körpergröße anbelangt.

Ob vegan oder vegetarisch:

Eine vegane oder vegetarische Ernährung ist immer ein zusätzliches Risiko. Als unerlässlich gilt daher ein ärztliches Beratungsgespräch. Eine falsche Ernährung kann auch bleibende Schäden verursachen wie z. B. durch Vitamin-B12-Mangel, was gerade bei Kindern in der Wachstums- und Entwicklungsphase in der Hälfte der Fälle bleibende lebenslange neurologische Schäden verursacht. Das Vitamin B12 nehmen Menschen über Nahrungsmittel fast ausschließlich tierischen Ursprungs zu sich (siehe Tabelle 1 und 2) oder eben als chemisches Ergänzungsmittel. Das zugeführte Vitamin B12 sei genau wie das, was wir über die Nahrung aufnehmen. Nur eben synthetisch hergestellt. Welche Ergänzungsmittel jedoch in welchen Maßen wann verabreichen sollten, kommt ganz auf die Umstände und den Menschen bzw. das Kind an. Eine wichtige und bisher wenig bekannte Quelle für Vitamin B12 ist zudem die eigene individuelle Darmflora. Eine vegane Ernährung auch bei Kindern kann durchaus funktionieren – solange bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere Vitamin B12, hinzukommen. In einem Beratungsgespräch mit dem Arzt oder Kinderarzt ließen sich solche Dinge ausführlich erklären und damit Falschinformationen vorbeugen.

Irrtümlich wird u.a. im Internet verbreitet, dass es Pflanzen gibt, die genügend Vitamin B12 liefern, was aber nicht stimmt. Nur in der vegetarischen Ernährungsweise, in der tierische Lebensmittel wie Ei und Milch erlaubt sind, sei es möglich, sich oder sein Kind ohne Ergänzungsmittel zu ernähren. Neben Vitamin B12 sollte noch auf andere Nährstoffe geachtet werden, die rein pflanzlich ernährten Menschen und Kindern häufiger fehlen als anderen. Dazu zählen beispielsweise Eisen, Kalzium und Zink (siehe Tabelle 1). Nur wenn mögliche Mängel untersucht und ausgeglichen werden, ist die vegane Ernährung relativ risikoarm auch für das Kind möglich.

Auf die Ernährung von Kindern sollten allerdings nicht nur Veganer und Vegetarier achten. Weltweit sind mehr als 120 Millionen Kinder und Jugendliche extrem übergewichtig.4 In Deutschland sind ca. 15 Prozent zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig und etwa 6 Prozent Avon adipös.5 Der Großteil davon isst alles. Mehr Bewegung und gesundes Essen helfen. Hier ist zwar nicht nur die vegane, sondern auch die vegetarische Ernährung erwähnen, da sich Veganer und Vegetarier besonders gut mit ihrer Ernährung auseinandersetzen. Es werde öfter frisch gekocht und gesündere Produkte gewählt. Aber es sei auch gewarnt: Es gibt immer mehr vegetarische und vegane Fertigprodukte, die aufgrund der verarbeiteten Inhaltsstoffe nicht mehr gesund sind.

Dogmen bringen nichts! Ganz egal, für welche Ernährungsweise sich Menschen und auch Eltern zum Wohl ihres Kindes entscheiden – nur wer sich informiert und beraten lässt, minimiert die Risiken.

Um euch das etwas leichter zu machen haben hier (unter Publikationen am Ende des Artikels) eine Tabelle mit den verschiedenen Nährstoffen und Angaben zusammengestellt und wo diese in pflanzlichen Produkten zu finden sind.

 

1(https://vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/anzahl-veganerund- vegetarier-in-deutschland/)

2(https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2016/04_16/EU04_2016_M220-M230_korr.pdf)

3(https://www.vechi-youth-studie.de)

4 (The Lancet: Abarca-Gómez, Leandra, et al. 2017)

5(https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/FactSheets/JoHM_01_2018_Adipositas_KiGGS-Welle2.pdf?_blob=publicationFile)

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